Was tun, wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt?

Immer mehr Deutsche entscheiden sich für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung, um sich finanziell abzusichern. Tatsächlich wird jeder vierte Arbeitnehmer berufsunfähig, und dies im durchschnittlichen Alter von 52 Jahren. Tritt nun der Fall der Berufsunfähigkeit ein, erhoffen sich die meisten Menschen eine Invaliditätsabsicherung in Form einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Jedoch erweisen sich die Versicherer in vielen Fällen mehr als Gegner, denn als Helfer hinsichtlich der Zahlungsbereitschaft.

Schritte gegen die Tricks der Versicherer

Tritt der Fall der Berufsunfähigkeit tatsächlich ein, werden die meisten Versicherten von Gutachter zu Gutachter geschickt, da die Versicherungsgesellschaften versuchen, die festgestellte Berufsunfähigkeit zu entkräften. Hier gilt es zunächst darauf zu achten, ob die verschiedenen Gutachter, die die Versicherung auswählt, schon mehrmals für die Gesellschaft gearbeitet haben. Dies bedeutet, dass diese Gutachter in vielen Fällen die Gutachten positiv für die Versicherungen auslegen. Daher ist bei Zahlungsverweigerung darauf zu achten, um welche Gutachter oder auch Ärzte es sich handelt und in welcher Beziehung sie zur jeweiligen Versicherung stehen. Gegebenenfalls bietet es sich hier an, Gutachten von unabhängigen Personen einzuholen, die nicht zwangsläufig im Auftrag der Versicherung arbeiten.

Sollte die Versicherung nicht zahlen, da sie Bezug auf die Verweisungsklausel nimmt und beispielsweise einem ehemaligen Tischler empfiehlt, an der Kasse zu arbeiten, bietet es sich hier an, exakt nachzuweisen zu können, dass solche Berufe keinesfalls der Ausbildung entsprechen. Heutzutage verzichten immer mehr Versicherungen auf die Verweisungsklausel, jedoch haben Versicherte mit älteren Verträgen, in denen die Verweisungsklausel noch verankert ist, keinen rechtlichen Anspruch auf Anpassung. Hier hilft am Ende nur die Durchsetzung der Ansprüche vor Gericht.

Zudem nutzen Versicherungen die Möglichkeit mit einer vermeintlichen „arglistigen Täuschung“ des Versicherten zu argumentieren, um eine Nichtzahlung zu begründen. Hier wird unterstellt, dass der Versicherte keine vollständigen Angaben seiner Krankheitsgeschichte bei Vertragsabschluss gemacht hat. Dabei wird weiterhin vorgetragen, dass die Versicherungen bei Kenntnis bestimmter Vorerkrankungen den Vertrag nicht abgeschlossen hätten. Es stellt sich als schwierig heraus, rückwirkend dagegen zu wirken. Hierbei empfiehlt sich eine genaue Absprache mit dem behandelnden Arzt, um die Bedeutungen der einzelnen Diagnosen vor Vertragsabschluss genau nachvollziehen zu können. Damit kann festgestellt werden, ob die Behauptungen der Versicherungen der Wahrheit entsprechen.

Der letzte und oftmals einzige Weg: Die Verhandlung vor Gericht

Sollten die Versicherungen sich weigern, trotz tatsächlich festgestellter Berufsunfähigkeit die vereinbarte Rente zu zahlen, hilft in den meisten Fällen nur der Gang vor das Gericht. Der Versuch, den Versicherten von Gutachter zu Gutachter zu schicken, um die Berufsunfähigkeitsbestätigung hinaus zu zögern, hat den Sinn dem Zahlungsanspruch des Versicherten womöglich entgehen zu können. Durch die oben genannten Schritte wird versucht, die Zahlung aufzuschieben und den Versicherten weich zu klopfen. Daher ist es zu empfehlen, dass der Versicherte sein Recht vor Gericht durchsetzt, um die rechtmäßige Rentenzahlung nach Eintritt der Berufsunfähigkeit zu erhalten. Allerdings gilt es zusätzlich zu erwähnen, dass jegliche rechtlichen Schritte erfolglos sind, wenn tatsächlich falsche Angaben bei der Krankheitsgeschichte gemacht wurden. Die Versicherungen prüfen in den meisten Fällen mittels penibel genauer Recherche, welche Krankheiten vor Abschluss des Vertrags angegeben wurden und welche nicht. Bei falschen Angaben ist der Anspruch auf die Leistung der Versicherung tatsächlich nicht gegeben.

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