Haben BWL-Studenten noch Zukunft?

BWL-Studium:  Der Garant für eine sorgenfreie Zukunft im Beruf?

Laut aktuellen Statistiken und Umfragen ist BWL (Betriebswirtschaftslehre) das beliebteste Studienfach deutscher Männer und Frauen. Schon seit einigen Jahren führt dieses Studienfach die Rankings an und die Gründe dafür scheinen auf der Hand zu liegen. Laut den Hochschulen erlangen Studenten der Betriebswirtschaftslehre umfassende Kompetenzen auf Gebieten wie Personalmanagement, Marketing, aber auch im Bereich der Fremdsprachen und Mathematik. Zudem gilt BWL als Studienfach mit vergleichsweise guten Berufsaussichten. So steigen laut einer Studie der  Hochschul-Informations-System GmbH aus dem Jahr 2010 78 Prozent der BWL-Absolventen in Deutschland direkt nach dem Studium in das Berufsleben ein. Eine hohe Prozentzahl im Vergleich zu anderen Studienabsolventen, etwa denen der Philosophischen Fakultäten. Doch zeigt die Gegenüberstellung mit den Zahlen vorhergehender Jahre, dass es eine sinkende Tendenz gibt. Im Jahr 2006 etwa lag die Zahl der BWL-Absolventen, die nach dem Studium  sofort in das Berufsleben einstiegen, noch bei 88 Prozent. Die Zahl der BWL-Studenten an den Universitäten steigt aber jährlich an. Es stellt sich daher die Frage, welche Zukunftsaussichten BWL-Studenten heute noch haben.

Betriebswirte und ihre Aussichten am deutschen Arbeitsmarkt

Gute Gehälter:

Zu einem Studium der Betriebswirtschaftslehre finden zahlreiche Studienanwärter nicht aus reinem Interesse an der Thematik. Vielmehr ist es so, dass die Betriebswirtschaftslehre als Fach mit gesicherter und finanziell lukrativer beruflicher Zukunft gilt, was für die meisten Studenten laut Umfragen einen wichtigen Grund für die Entscheidung zum BWL-Studium darstellt. Völlig abwegig ist diese These nicht.  Mit einem Einstiegsgehalt als Master-Absolvent von bis zu 6.800 Euro brutto im Monat, eröffnet ein Abschluss in BWL augenscheinlich gute Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Fraglich ist aber, ob diese Zahlen in den nächsten Jahren noch Geltung haben können, betrachtet man den regelrechten Ansturm von BWL-Studenten auf die Universitäten.  Nicht nur, dass die Gehälter für Betriebswirte in den vergangenen fünf Jahren gesunken sind, auch ist es längst nicht mehr so, dass die Mehrheit der Betriebswirte nach dem Studium eine Anstellung mit derart hohem Einstiegsgehalt antreten können.  Viele Absolventen müssen sich nach der Hochschulausbildung zunächst mit sogenannten „Trainee Jobs“ abfinden, bei denen das Einkommen kaum über 800 Euro monatlich liegt. Der Weg auf der Karriereleiter wird dabei auch für Betriebswirte immer beschwerlicher und erfordert oftmals viel Durchhaltevermögen.

Konkurrenz durch neue Studiengänge:

Der steinigere Aufstieg liegt nicht zuletzt daran, dass sich das etablierte Studienfach der Betriebswirtschaftslehre immer mehr mit Konkurrenz durch neue Studiengänge, wie z.B. „Wirtschaftsinformatik“ oder „European Management“, konfrontiert sieht. Deren Absolventen drängen in die gleichen Berufsfelder, wie die Betriebswirte. Kritische Stimmen bemängeln dabei immer häufiger, dass die traditionelle Betriebswirtschaftslehre den Anschluss an die Erfordernisse des Arbeitsmarktes verpasst hat und die innovativen, spezialisierten Studiengänge ihr allmählich den Rang ablaufen.

Vielseitige Tätigkeitsfelder für Betriebswirte:

Betrachtet man aber die mannigfaltigen Berufsfelder für Betriebswirte, so erscheint es kaum glaubhaft, dass die Zukunft für BWL-Absolventen derart schlecht aussieht.  Egal, ob Industrie, Handel oder Dienstleistungsbereiche, Betriebswirte werden in fast jeder Branche benötigt. Auch in Banken und Versicherungen, als Börsenmakler oder selbstständige Wirtschaftsberater,  treffen Betriebswirte auch heute noch gute Jobmöglichkeiten an.

Flexibilität und Eigeninitiative auf dem Arbeitsmarkt ist entscheidend 

Letztlich ist es nicht gerechtfertigt, den BWL-Absolventen als zukunftslos auf dem Arbeitsmarkt abzustempeln. Natürlich ist es so, dass auch Betriebswirte immer flexibler sein müssen, was Gehalt und Anstellung betrifft. Nicht jeder Hochschulabsolvent der Betriebswirtschaftslehre wird eine Anstellung als Top-Manager erhalten und oft ist der Weg zum guten Job beschwerlicher als noch vor einigen Jahren. Aber dieser Trend zeichnet sich nicht nur im BWL-Sektor ab, sondern ist ein Phänomen mit welchem Studienabsolventen anderer Fachrichtungen bereits seit Jahren zu kämpfen haben. Nicht zuletzt eröffnet einem das BWL-Studium sehr gute Möglichkeiten, sich selbstständig zu machen. Mit den fundierten Kenntnissen rund um Kennzahlen erfolgreicher Unternehmen, Buchhaltung und Marketing, ist der Einstieg in die Selbstständigkeit deutlich erleichtert und kann den Weg zur individuellen Verwirklichung ebnen.

 

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