Ende der Eurokrise in Sicht?

Der Euro ist in Krise – wird alles gut?

Es ist das Prestige-Projekt der europäischen Politik. Der Euro solle neue europäische Identitäten stiften, er solle den europäischen Binnenmarkt stärken und Zahlungen innerhalb der Europäischen Union für Jedermann erleichtern. Doch spätestens seit der großen Lehman-Insolvenz im Jahre 2008 kam es zu einer krisenhaften Kettenreaktion im globalen Finanzmarkt, dessen Folgen sich bis in die heutige Zeit erstrecken. Auch die Vorzeigewährung der EU blieb davon nicht verschont. Bei der Frage nach dem Ende der Krise ist zu differenzieren. Zwar findet sie zuvorderst an den Finanzmärkten statt, es ist aber zugleich auch eine Vertrauenskrise, die mittlerweile weite Teile der Bevölkerung erfasst hat.

Inflationsgefahr des Euro

Seit einigen Jahren nun fährt die EZB auf der „Schiene des billigen Geldes“ und macht es damit dem US-amerikanischen Pendant – der FED – gleich. Durch diese Niedrigzinspolitik soll der Liquiditätsengpass, welcher zwischen den Banken vorherrscht, beseitigt werden. Dieses Verhalten kann allerdings fatale Folgen haben. Sollte die EZB nicht in der Lage sein, das in den Bankenmarkt geschwemmte Kapital rechtzeitig wieder abzuziehen, könnte Inflation eine mögliche Folge sein.

Doch Inflation ist für eine Volkswirtschaft grundsätzlich nicht unbedingt positiv, da aufgrund der Geldmengenausweitung das Überangebot an Geld einer verhältnismäßig weniger werdenden Menge an Güter und Waren entgegensteht. Durch diese Entwicklung steigen Preise für Güter und Waren, was die Kaufkraft der Gehälter verringert, sollten diese nicht stetig angepasst werden. Gerade durch die Niedrigzinspolitik kann der Euro jedoch inflationär werden.

Dadurch wird dem Bürger ebenso die Fähigkeit genommen mit dem Euro ein Sparguthaben aufzubauen, um so genügend Kapital für spätere größere Investitionen zu generieren. Dies kann ebenso fatale Folgen haben. Zwar scheint es zu Beginn einer inflationären Tendenz so auszusehen, als würde die Wirtschaft florieren, tatsächlich ist es aber so, dass die Sparer ihr Geld rechtzeitig ausgeben, bevor die stetige Inflationierung ihres Sparguthabens voranschreitet. Schlimmstenfalls wird es so zu einem Investitionsstau kommen, was seinerseits die Inflation befeuert.

Unterschiedliche Wirtschaftleistung der Euro-Länder

Ein weiterer nicht zu verachtender Faktor bei der Frage, ob der Euro überlebensfähig ist, ist die unterschiedliche Wirtschaftskraft der einzelnen Länder der Europäischen Währungsunion. Bevor der Euro den Weg in die Geldbörsen der Bürger fand, haben Länder wie Frankreich, Italien und Griechenland ihre Währungen permanent abgewertet, wohingegen wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland diese aufwerteten. Durch dieses System wurde die Balance zwischen den handelnden Staaten gewährleistet. Durch den Euro ist dieses funktionierende Gestaltungsweise verschwunden. Die Folge ist, dass der Euro für ein Land wie etwa Griechenland zu stark ist, während er für Deutschland zu schwach ist. Dadurch dass dieses Ungleichgewicht besteht, kann sich Griechenland – ohne innovative Ideen –  nicht mehr am Markt behaupten. Zudem kommt es in diesen Ländern zu Fehlinvestition, da der Leihzins als Indikator für die Wirtschaftlichkeit eines Projektes nicht mehr oder nur ungenügend die wirtschaftliche Realität wiederspiegelt.

Hat der Euro noch eine Chance?

Ein wichtiger Indikator für eine Entspannung der Eurokrise stellen die Target2-Salden dar. Sie geben die private Kapitalflucht aus den Krisenländern wieder. Ende Juli beliefen sich die Forderungen der Deutschen Bundesbank im Rahmen des Target2 auf 576,47 Milliarden Euro. Zwar sind sie seit der Ankündigung des EZB-Präsidenten Mario Draghi, er werde alles zur Rettung des Euros unternehmen, gesunken, dennoch liegen die derzeitigen Forderung nur rund 21 % unterhalb der Höchstmarke Ende August 2012 von 751,4 Milliarden Euro. Von einer Entspannung im Euro kann man schlechterdings noch nicht sprechen. Zudem sollte diese Kapitalflucht aus den „Eurokrisenländern“ nicht durch immer neue Ankaufprogramme der EZB und der damit einhergehenden Geldmengenausweitung unterbunden werden, vielmehr sollte eine Überlegung dahingehend statt finden, den Euro innerhalb der EU als Komplementärwährung zu installieren um so ein Ab- und Aufwerten der an der Wirtschaftskraft ausgerichteten Landeswährung zu gewährleisten. Mit dem derzeitigen „System Euro“ ist ein Ende der Krise jedenfalls (noch) nicht absehbar.

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