Die Macht der Ratingagenturen

Ratingagenturen – probat oder zu mächtig für unsere Gesellschaft?

Der Einfluss von Ratingagenturen auf die Aktienmärkte aber auch die Realwirtschaft, insbesondere wenn es um die Kreditfähigkeit von Staaten geht, ist aus der modernen Kapitalwelt nicht mehr wegzudenken. In der Finanzkrise sind aber vor allem die großen Ratingagenturen „Standard & Poor’s“, „Moody’s“ und „Fitch“ massiv in die Kritik geraten. Doch welchen Einfluss haben die Ratingagenturen tatsächlich und warum gibt es sie überhaupt?

Die Geschichte der Ratingagenturen – Ein Erfolgsmodell?

Die ersten Ratingagenturen sind mit den global agierenden Unternehmen von heute kaum vergleichbar. Bereits im 19. Jahrhundert hatten Verleger die Idee, Informationen über unterschiedlichste Aktiengesellschaften zu beschaffen, die dem potentiellen Anleger Auskunft über die Rentabilität seiner Investition geben sollten. Diese Informationen wurden dann, meist gebunden wie ein Prospekt, gegen eine Gebühr an Interessierte weitergegeben.

In Folge der Industrialisierung bewährte sich das Modell. Nun änderte sich auch die Art, nach der die Agenturen bezahlt wurden. Zu Beginn der Globalisierung bezahlten die Firmen selbst, quasi auch als Werbung, für das Anlegen eines Ratingprofils. Zum damaligen Zeitpunkt stellte die Information einer Ratingagentur eine interessante und durchaus wichtige Empfehlung für jeden Anleger dar.

Die Ratingagentur heute: Objektive Empfehlung oder gewinnbringende Meinung?

Am heutigen globalen Markt sind die Ratings der Agenturen meist als Standard zu verstehen oder sogar gesetzlich festgeschrieben. Setzt eine Bank beispielsweise einen neuen Fond auf oder kommt eine Aktiengesellschaft neu an die Börse, werden die Ratingagenturen für die Erstellung eines Profils bezahlt. Für die Ratingagenturen ist dies kein schlechtes Geschäft. Eine Bewertung kostet ein Unternehmen je nach Aufwand etwa zwischen 60.000 bis hin zu einer Millionen Euro.

In finanzstabilen Zeiten stellt die Arbeit der Ratingagenturen kein schlechtes Geschäftsmodell dar, denn  sie gehören in der Regel großen Gesellschaften an und arbeiten somit gewinnorientiert.

Erlebt die Welt, wie in letzter Zeit, Phasen mit eher instabiler Marktlage oder kommt es gar zu einer Krise, sind permanente Neueinschätzungen der Agenturen notwendig. Diese haben wie zu früheren Zeiten die Aufgabe, die Gewinnkraft und die Kreditwürdigkeit von Aktiengesellschaften und Staaten objektiv einzuschätzen und zu bewerten.

Einerseits stellt diese Bewertung ein wichtiges Instrument für Anleger dar, da der eigene Gewinnausfall (beispielsweise einer Bank, die Anleihen eines Landes kauft) damit besser eingeschätzt werden kann und das Rating dem potentiellen und bestehenden Anleger Sicherheit gibt. Andererseits stellt eine permanente Neueinschätzung für die Ratingagentur wieder eine Gewinnquelle dar, denn: Ratings kosten Geld und bringen den Ratingagenturen Gewinne ein.

Der Meinungsfreiheit sind im Falle einer Bewertung seitens der Ratingagentur keine Grenzen gesetzt. Durch Haftungsausschlussklauseln stellen die Agenturen ihr Rating nicht als „verbindliche Empfehlung“, sondern nur als „freie Meinung“ dar und genau hier beginnt die hinter den Agenturen stehende Problematik.

Die Ratingagentur als „Strippenzieher“ für Veränderungen am Weltmarkt

Das Ergebnis einer Ratingerhebung ist somit lediglich eine Empfehlung. Durch innenpolitische Prozesse vieler Länder wird ein Rating aber von einer Empfehlung zu einer „offiziellen Erhebung“ aufgewertet. Die Probleme beginnen, wenn sich die Empfehlungen der Ratingagenturen teilweise oder komplett einer objektiven Grundlage entbehren.

Wenn beispielsweise Interessen der Eignergesellschaften einer Ratingagentur dem objektiven Eindruck eben dieser Agentur entgegenstehen, besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit, dass das Ergebnis verfälscht wird oder eine Korrektur einige Tage oder Wochen zu spät für die Anleger kommt, was mitunter zu empfindlichen Verlusten führen kann.

Des Weiteren besteht erhebliches Konfliktpotential in der Tatsache, dass Ratingagenturen generell privat geführt und nur von nationalen Institutionen beaufsichtigt werden. So können diese, je nach Interessenslage, die Zukunft ganzer Staaten oder Unternehmen negativ beeinflussen. Der überschaubare Kreis der drei großen Ratingagenturen „Standard & Poor’s“, „Moody’s“ und „Fitch“ fördert zusätzlich die fehlende Meinungsvielfalt. Manche Vorwürfe gehen sogar soweit, dass Ratingagenturen beispielsweise Unternehmen regelrecht mit negativen Ratings erpressen. Nachweisbar sind diese Behauptungen bis dato nicht.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass Ratingagenturen ein sinnvolles Instrument zur Bewertung und der Einstufung einer Kreditwürdigkeit darstellen. Um ein möglichst objektives Bild zu erhalten, ist Eigenrecherche jedoch  im Großen und Ganzen unerlässlich.

 

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